Wendy 2 – Der Zweck heiligt die Mittel

Letztes Wochenende sind wir vor der eisigen Kälte geflohen und waren mit unserer Tochter im Kino – Wendy 2 stand auf dem Programm.

Im Film geht es um ein Mädchen (Wendy), das mit seinen Eltern auf einem Pferdehof lebt. Dort ist es zwar überaus idyllisch, aber rein wirtschaftlich läuft es nicht besonders gut. Um zu verhindern, dass die Eltern das Darlehen für den Hof nicht mehr bedienen können und dieser dadurch an die Bank fällt, entschließt sich Wendy wieder an Reitturnieren teilzunehmen. Spoiler: Am Ende wird selbstverständlich alles gut und die Familie kann den Hof behalten.

Für die Kleinen war der Film definitiv gute Unterhaltung – gerade für staunende Pferdeliebhaber(innen).

Auffällig waren jedoch für mich zwei Handlungsverläufe, die gerade für (kleine) Kinder ein „interessantes“ Bild von Gerechtigkeit zeichnen dürften.

Schulden einfordern ist ungerecht und herzlos

Die Familie von Wendy hat also ein Bankdarlehen für den Kauf des Pferdehofes aufgenommen. Durch ausbleibende Kundschaft für Hofladen und Reitstunden sind sie bei der Rückzahlung des Kredits allerdings bereits mehrfach in Verzug geraten.

Der Banker im Film zeigt dafür zwar Verständnis, besteht aber auf einer Inspektion des Hofes und erbittet eine Art Wirtschaftsplan von der Familie. Andernfalls droht der Familie die Kündigung des Darlehens, wodurch der Hof zwangsversteigert würde.

Mit anderen Worten: Ein ganz normaler – wenn natürlich für die Familie äußerst tragischer – Vorgang. Man nimmt einen Kredit auf und verpflichtet sich auf Rückzahlung (plus Zinsen). Wenn man sich daran nicht halten kann, ergeben sich (leider) Konsequenzen.

Im Film jedoch wird genau dieser Sachverhalt als fast schon unmenschliche Ungerechtigkeit von Seiten der Bank dargestellt. Der Banker ist durch und durch gemein, herzlos und ungerecht.

Dies zeigt eine besorgniserregende Intention der Filmemacher: Kinder sollen den Banker auch dann als „böse“ kennenlernen, wenn er nur seine vertraglich vereinbarten Ansprüche geltend macht und dabei sogar noch Kulanz (Fristverlängerungen) zeigt. Überhaupt: an Verträge muss sich nicht gehalten werden – stattdessen sollte jeder einen Kredit, Bauernhof oder teure Reitpferde haben, auch wenn man die sich gar nicht leisten kann.

Das scheint das Bild vom bösen Kapitalismus und unserer „Leistungsgesellschaft“ zu sein, welches die Filmemacher den zuschauenden Kindern vermitteln wollen.

Dabei wird es übrigens auch als völlig normal hingenommen, dass Wendys Eltern einzig auf die Reitkünste ihrer minderjährigen Tochter vertrauen, um ihren „Betrieb“ zu retten – selbst aktiv werden ist, mit Ausnahme von ein paar schlauen Ratschlägen, nicht drin. Da Wendy aber nunmal die Heldin der Story ist, kann man diese Untätigkeit zumindest mit dramaturgischen Gründen rechtfertigen.

Für die „Guten“ gelten keine Regeln

Als Wendy schließlich an jenem schicksalsträchtigen Reitturnier teilnimmt, braucht sie die Hilfe ihres „Zirkuspferds Dixi“. Dixi muss nämlich neben ihrem „Turnierpferd Penny“ durch den Parcours reiten, um zu verhindern, dass Pennys altes Trauma neuerlich aufbricht und das arme Pferd bereits vor dem ersten Hindernis scheut.

Dank der Unterstützung von Dixi gewinnt Wendy so auch (vermeintlich) das Turnier – zur großen Freude der Zuschauer im Film wie im Kinosaal.

Kurz darauf wird Wendy jedoch disqualifiziert, weil ein „nebenherreitendes“ Pferd beim Springreiten leider gegen die Regeln verstößt. Dies löst allgemeines Unverständnis und zahlreiche Buhrufe aus. Die Disqualifikation sei unfair und auch Wendys Vater bringt den (zweifelhaften) Einwand vor, dass es sich doch hier „nur um ein Jugendturnier“ handele (obwohl der Sieger immerhin 2.000€, sowie einen Platz im prestigeträchtigen Landeskader erhält).

Auch hier fragt man sich, welche Message die Filmemacher zum Ausdruck bringen möchten: Soll unseren Kinder wirklich gezeigt werden, dass es völlig in Ordnung ist, wenn man mal ein paar „kleine“ Regeln bricht, solange nur die Beweggründe „gut genug“ sind?

Dass man für Regelbruch bestraft wird, ist dagegen gemein, kaltherzig und kleinkariert. Für solch kleine Extrawürste muss man schließlich Verständnis zeigen – und wen interessiert es denn schon, dass so alle (fair-reitenden) Kinder auf den hinteren Plätzen benachteiligt wurden?

Genauer hinschauen nicht nötig – Selbstgerechtigkeit siegt

Der Film setzt also sehr fragwürdige erzieherische Akzente und Vorbilder für unsere Kinder, die sicherlich auch ein wenig den aktuellen Zeitgeist widerspiegeln.

Überraschend war, dass die angebliche „Unfairness“ gegenüber Wendy und Wendys Familie dabei von den Filmemachern so ohne Not auf wackelige Beine gestellt wurde. Es wäre doch ein Leichtes gewesen, den Banker tatsächlich krumme Deals drehen und Wendy aus fadenscheinigeren Gründen disqualifizieren zu lassen – so viel Mühe wollte man sich im allgemeinen Bankenhass und der unerschütterlichen moralischen Überlegenheit aber gar nicht erst geben.

Einziger Lichtblick: Wendy selbst. Das Mädchen zeigte Ehrgeiz, Fleiß und Verantwortung gegenüber ihrer Familie und auch als Erste (und Einzige) Verständnis für ihre berechtigte Disqualifikation beim Turnier. Chapeau!

Schreibe einen Kommentar