Das Rezept gegen „Rechts“ ist nicht „Links“

Seit geraumer Zeit scheinen die westlichen Demokratien und Gesellschaften schleichend zu erodieren – so zumindest der einhellige Tenor in Öffentlichkeit und Medien.

Neben den vielfältigen Ursachen für diese Entwicklung gehört ein wachsender rechtsnationaler und -konservativer Populismus zu den augenscheinlichsten Folgen.

In den USA legte zunächst die ultrakonservative Tea-Party-Bewegung sämtliche Gesetzgebung lahm, woraufhin ein narzisstischer Egozentriker (erstaunlicherweise von der gleichen Partei) seinen eigenen rechtsnationalen Populismus erfolgreich als Gegenmittel verkaufte und so zum Präsidenten des mächtigsten Landes der Erde wurde.

In Großbritannien haben die konservativen Hardliner der Tory-Party den moderaten Flügel erst zu einem Referendum über die EU-Mitgliedschaft genötigt und anschließend mit kräftiger Mithilfe von opportunistischen Karriereristen die populistische Welle zum Brexit geritten. Auch in Frankreich, Polen oder Ungarn haben sich Gruppierung deutlich rechts der politischen Mitte (sehr nahe) an die Macht gekämpft.

Mit dem Einzug der AfD in den Deutschen Bundestag haben wir nun auch in Deutschland eine ähnliche Entwicklung beobachten müssen.

Ganz zu schweigen davon, dass deren rassistischen und neo-nationalsozialistischen Elemente auch heute schon unerträglich sind, haben auch die weniger radikalen Verschiebungen durchaus das Potenzial unsere demokratischen Prinzipien und Institutionen zu schwächen oder gar auszuhebeln. Insofern lohnt es sehr wohl, über wirksame Strategien gegen diese Bewegungen nachzudenken und diese zu bekämpfen.

Für jede rechte Verschwörungstheorie gibt es auch eine linke

Die Mittel der Wahl, vor allem für die intellektuelle Klasse, waren hierfür bisher häufig Empörung, Aufschrei und (Gegen-)Polarisierung.

So kommt es, dass bei den Rechten „die Rothschilds und George Soros die Welt regieren“. Bei den Linken haben stattdessen Volkswagen & Co. die Politik fest in der Westentasche und höhlen so den Sozialstaat und die Arbeiterklasse seit Jahrzehnten systematisch aus.

Während bei den Rechten jeder Flüchtling ein Terrorist ist, gilt man bei den Linken schon als Nazi, wenn man nicht bei Drei auf dem „Der-Flüchtlingsstrom-von-2015-ist-für-Deutschland-ein-einziger-Segen-Baum“ sitzt.

Auf die überspitzte Polarisierung durch Rechts wird also (viel zu) häufig mit einer überspitzten Polarisierung durch Links geantwortet.

Jeder sieht sich so genötigt sich in diesen Lagerenden zu positionieren – andernfalls riskiert man, von beiden Seiten als naiver, realitätsferner Utopist beschimpft zu werden. Wer sich einmal die Star Wars Filme angeschaut hat, weiß aber: Indem man Leute zwingt, sich zwischen „Gut“ und „Böse“ zu entscheiden, erreicht man eben kein Gleichgewicht, sondern eine zunehmende Entfremdung, Lagerbildung und Unfrieden.

Nur „Mehr Mitte“ kann die Lösung sein

Diese Tendenz ist überaus gefährlich, denn so erodiert genau die breite gesellschaftliche Mitte, die die gesellschaftliche Bindekraft und den sozialen Frieden normalerweise aufrechterhält. Wenn Menschen mit moderaten, gemäßigten Überzeugungen unter Druck gesetzt werden, sich radikaler und polarisierter zu positionieren, kann das für eine Demokratie nicht gut sein.

Eben jene genannten Wahlerfolge der Populisten bestätigen dann auch die Erfolglosigkeit der linken Empörungs- und Gegenpolarisierungsstrategie.

Das Antitoxin gegen das Gift von Rechts ist also nicht „Mehr Links“, sondern „Mehr Mitte“. Statt moderate, mittige Positionen aufzugeben, sollten diese wieder hoffähig werden. Die christlich-sozialen Werte sollten Kompass sein für eine vernünftige Politik, die sowohl den liberalen Geist als auch die soziale Gerechtigkeit stärkt. Eine Politik, die konkrete Verbesserungen für das Leben der Bevölkerung bringt und die auf Polarisierung verzichtet.

Dann geht auch den radikalen Tendenzen am rechten (wie linken) Rand die populistische Überzeugungskraft aus, ohne die sie nicht existieren können.

Schreibe einen Kommentar